Projekt 4242 – 42 KÖLLEmeter – Es ist vollbracht
Nun war er also da, der Tag, auf den ich knapp eineinhalb Jahre und 3000km hintrainiert hatte.
Wir hatten uns zum Glück für die Anreise per Bahn entschieden, dank kostenlosem Onlineticket kein Problem und auf jeden Fall die bessere Wahl. Wenn ich sehe, wieviel Leute alleine per Bahn anreisten, möchte ich nicht das Verkehrschaos erahnen, dass sich Richtung Teilnehmerparkplätze ergoss. Rechtzeitig angekommen wurde erst einmal die Gegend erkundet und die Stimmung genossen. Der Halbmarathon (gestartet um 8:30 Uhr) kam gerade ins Ziel. Überhaupt hatte man eher den Eindruck, dass hier eine riesige Karnevalsveranstaltung im Oktober ablief, denn eine ernsthafe Sportveranstaltung. Es herrschte eine Superstimmung, überall sah man lächelnde Gesichter und freudige Erwartung lag in der Luft.
Kurz vor 11 Uhr begab ich mich in mein Startfeld Grün, das als vorletztes auf die Strecke gehen sollte. Somit dauerte es noch bis kurz vor halb zwölf, bis man sich näher an die Ziellinie heranbewegt hatte und endlich der ersehnte Startschuss auch für meine Startgruppe fiel. Beim Wetter wechselte sich Regen mit trockenen Perioden ab und so sollte es auch das ganze Rennen über bleiben. Teilweise waren die Regenfälle sogar sehr heftig.
Nach dem Startschuss ging es über die Deutzer Brücke in Richtung Innenstadt los. Angefeuert von sehr vielen Zuschauern führte die Strecke weiter durch die Südstadt, am Rheinufer entlang bis zum Bayenthalgürtel, der gleichzeitig die südlichste Ecke des Marathons markierte.
Zurück ging es wieder nördlich bis hoch zum Barbarossaplatz, etwa Kilometer 11. Die ersten 10 Kilometer ging ich sehr schnell an. Eigentlich hatte ich geplant, mit 6:15 bis 6:30min/km loszulegen und auf keinen Fall zu überpowern. Dies lies sich aber irgendwie nicht durchhalten, trotz ständiger Kontrolle an meiner Laufuhr. So absolvierte ich also die ersten 10 Kilometer in 1:00:25. Mir war aber ziemlich klar, dass ich dieses Tempo nicht werde durchhalten können.
Entlang der Strecke war der Support der Zuschauer genial. Mindestens ein Dutzend Samba-Bands trommelten einem eine Gänsehaut hervor, Zuschauerspaliere ergänzten die Streckenführung. Karnevalslieder aus jeder Kneipe und viele private Spontanfeten, die mit Pittermännchen am Strassenrand feierten und die Läufer anfeuerten. Teilweise wurden sogar ganz kreative Ansätze geboten, so zum Beispiel die Abwandlung kölschen Liedgutes: “Lauf doch eene mit, stell dich nit eens so an. Du stehst hier die janze Zick erömm.” “Ihr habt bezahlt, Ihr dürft nicht gehn”.
Weiter ging es in den Osten Kölns und einsamere Gebiete bis die Streckenführung dann bei Kilometer 19/20 wieder beim Rudolfplatz/Hohenzollernring in die tosende Menschenmenge zurückführte. Richtung Ehrenfeld lag der Halbmarathonpunkt, ab hier hatte man den Hauptteil der Strecke hinter sich. Aber bei weitem nicht den schwierigsten Teil :-). Die Halbmarathonlinie überquerte ich bei 2:09:26.
Nun kam der schwierigere Teil der Strecke. Die zweite Hälfte. Die Regenpausen wurden kürzer, der Regen heftiger, während es in den Kölner Norden ging. Dabei kam verschärfend hinzu, dass mir von km24 bis km27 (Hansaring, Amsterdamer Strasse) die Läufer der ersten Startgruppen entgegen kamen. Zum Glück wusste ich nicht mehr genau, wo der Wendepunkt war, sonst wäre das noch frustrierender gewesen. Kilometer 30 passierte ich nach 3:07:00.
Dieser Zeitpunkt war dann auch so ungefähr mein persönlicher Wendepunkt. Ab hier fing ich an nur noch zu funktionieren. Die Beine begannen langsam zu schmerzen und im Kopf fing ich an zu rechnen. “Nur noch die Schlösschenrunde”, “nur noch eine 10er Runde”, “nur noch die kleine Seerunde mit Brücke” verglich ich die restlichen Kilometer mit meinen Laufstrecken daheim.
Anonsten spulte ich nur noch die Meter Asphalt unter mir ab und versuchte nicht mehr viel nachzudenken. Ab Kilometer 36 wurde es skurril. Die Laufstrecke wurde plötzlich wieder sehr belebt. Erst dachte ich noch, dass hier Zuschauermassen gen Innenstadt strömten, bald wurde mir jedoch klar, dass sich Horden von Walkern mit mir ein Rennen lieferten. Das war der Lindwurm des Kölsch Walk, der sich über etwas mehr als 10 Kilometer Richtung Innenstadt schlängelte. Zum Glück kein Nordic Walking, sonst hätte es sicher Verletzte gegeben. Anfangs konnte ich noch an vielen vorbeiziehen, aber es gab Einzelexemplare, die sich hartnäckig an mir dran hielten.
Viel entgegenzusetzen hatte ich nicht mehr. Auf der Gegengeraden kam gerade der Besenwagen durch, vor ihm kämpfte der letzte Läufer. Bei Kilometer 37 ging es wieder auf den Hohenzollernring. Die Menschenmassen taten gut. Anfeuernde Rufe die sich, auch dank des aufgedruckten Vornamens auf der Startnummer, direkt an die Teilnehmer richteten. Über den Neumarkt bogen wir auf die letzte Schleife in die Hohe Strasse Richtung Dom. Hatte ich schon seit Kilometer 25 mit sich andeutenden Krämpfen zu kämpfen, die sich durch die Bananen an den Verpflegungsstationen aber noch besänftigen liessen, musste ich hier das erste Mal kurz anhalten, um an den Absperrgittern zu dehnen. Das lies ich aber gleich wieder sein, denn das Dehnen der Waden wurde postwendend mit einem Krampf im Oberschenkel beantwortet.
So schleppte ich mich dann weiter Richtung Domplatz, wo der imposante Kölner Dom für vieles entschädigte. Ja, hier wollte ich hin. Auf diesen Augenblick hatte ich mich gefreut, diesen Anblick hatte ich herbeigesehnt über fast 41 Kilometer. Jetzt nur noch 1500m, Zähne zusammenbeissen. Über nasses Kopfsteinpflaster vorsichtig auf die Deutzer Brücke, der letzte Anstieg zur Brückenmitte. Rechts der berühmte Teufel, der die Läufer auf den letzten Metern mit seinem Dreizack motivierte. Dann hinab in den Zielkanal.
Unter viel Beifall über die Zielline in einer Endzeit von 4 Stunden und 34 Minuten. Es Ich war geschafft. Mit etwas mehr als 8000 anderen Läuferinnen und Läufern hatte ich die Marathonstrecke (für mich das zweite Mal nach 1989) bewältigt.
Zuhause lies ich mich nur noch in die heisse Badewanne gleiten und war um 21 Uhr im Bett :-)
Vielen Dank an A. für die vielhundertfachen Vorbereitungskilometer. 2009 in Berlin laufen wir gemeinsam!? Und ein herzliches Dankeschön an alle, die in Gedanken bei mir waren.
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[...] das Laufpensum der letzten Wochen. In Klammern dahinter die Summen aus dem Vorjahr, vor dem Köln Marathon [...]
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Dann auch noch mal hier herzlichen Glückwunsch zum Finish!!
Wow, Glückwunsch. Hab’ gestern tatsächlich mal an Dich gedacht. Bei uns war nämlich Sonne und da dachte ich Du darfst jetzt vielleicht auch in der Herbstsonne laufen.
Von mir auch einen herzlichen Glückwunsch! Ich verneige mich vor der Leistung und freue mich, dass Dich meine Mit-Kölner trotz meiner Abwesenheit kräftig unterstützt und motiviert haben.
@Matthias: Danke und weiter viel Spaß bei der Triathlonvorbereitung
@AnJu: Leider nein, aber irgendwann habe ich den Regen gar nicht mehr bemerkt :)
@Georg: Das haben sie, trotz der widrigen Witterung!
*Beifall klatsch*
Ich schließe mich den Gratulationen an. HAMMERHART, was du da gegeben hast. Hut ab!!!
Das mit den Krämpfen kenne ich. Ich habe es mir jedoch abgewöhnt zwischendurch zu dehnen. Meist wird es, so wie du es auch schilderst, an anderer Stelle nur schlimmer. Leicht gesagt, sich locker zu laufen oder zu fahren, wenn man am Limit ist, aber nur das hilft (mir!) wirklich. Ansonsten hast du das Ding ohne Verletzung nach Hause gefahren und ein Wahnsinnserlebnis gehabt. Nuja, den Muskelkater gibts gratis… :D
Cool! Dickes Lob auch für den Beitrag da oben. Ich habe beim Lesen die Atmosphäre gespürt und bei der Erwähnung der Sambatrommeln ‘ne Gänsehaut bekommen. In Berlin machen die nämlich auch immer Rabatz.
Und wenn ich ehrlich bin, bekomme ich langsam auch Lust auf ‘nen Marathon, und das, obwohl ich das bisher rigoros ausgeschlossen habe. Aber erstmal gibts noch ein paar Halbe und dann mal schauen, was 2010 so geht.
@tAXMAN: Dann mach doch im Frühjahr Deine beiden halben und wir laufen zusammen Berlin ’09. Dann kannst Du Deinen Enkeln erzählen, Du bist zusammen mit Haile Gebrselassie gelaufen (das werde ich nämlich auch tun) :-)
Hrhr, das könnte passen! Nee, nee!!! Vor 2010 läuft da nichts. Die Halben laufe ich ja so nebenbei. Für 2009 habe ich mir ein intensiveres Radprogramm inkl. Trainingslager auf Malle und Rennen vorgenommen. Zum Herbst kommen der oder die Triathlon(s). Da ist kein Platz für einen Marathon. Aber Danke für das Angebot. Ich habe auch schon daran gedacht, mit dir zu laufen. ;)
glückwunsch auch von mir! wir waren am friesenplatz und haben die augen aufgehalten, aber leider müssen wir dich verpasst haben…
tAXMAN: Schade :-)
deeli: Danke, hoffe Ihr seid einigermassen trocken geblieben. Am Friesenplatz war aber auch einiges los!
Ganz großen Glückwunsch, klasse Leistung! Aus meiner Sicht war schon dein Training sehr beeindruckend, außer zum Tanzen, kann man mich eher nicht zu sportlichen Tätigkeiten bewegen…
@Ute: Beim Tanzen stolpere ich leichter als beim Laufen :)
Dirk, das lässt sich ändern… ;-)
Ich habe meinen ersten Tanzkurs gemacht, da war ich deutlich über dreißig, studierte gerade in Kopenhagen und hatte einen Tanzpartner, der sonst Lateinturniere tanzte… ;-)
2 Tage nach dem Marathon bist Du schon wieder gelaufen?
Ich war schon vom Lesen ganz kaputt.
@David: Das war eher ein “Beine ausschütteln” oder Regenerationslauf. Gaaaanz langsam.
Deine “Beine ausschütteln”-Geschwindigkeit ist fast meine normale Geschwindigkeit, aber ich laufe auch erst seit knapp 3 Wochen :-)
Hihi… Läuft 3 Wochen und zieht Vergleiche mit ‘nem Marathonläufer. Putzig!
Hi Dirk,
dann auch noch mal auf diesem Wege meine / unsere Glückwünsche zum Marathonlauf.
War mir ein Vergnügen mit Dir zu Laufen und ich Bitte um Fortführung, :-).
Gerne das Ziel Berlin für 2009 gemeinsam planen und sich daraufhin vorbereiten.
Nochmals Dir alle guten Wünsche von den Schumys
Kodus!
Und danke für die schönen Beiträge vor dem Lauf und zum Lauf.
@David: Langsam anfangen!
@tAXMAN: Ruuuhig Brauner :-)
@Alf: Danke!
@Jog: Danke und Gerne. Jetzt muss ich mir neue Themen suchen :)