Überwachung - bei den ganz Kleinen

Ein Artikel in der SZ zum Thema überbehütete Kinder. Die Autorin zeigt auf, welche Freiheiten Kinder heutzutage noch haben, bei aller medialen Präsenz, die Eltern in der heutigen Zeit gegenüberstehen. Einzelne Unglücksfälle, so tragisch diese auch sein mögen, werden als Hintergrund genommen, um die Freiheiten unserer Kinder in einem Maße zu beschneiden, die eine ganze Generation verändern werden.

Sie berichtet von der Hetzjagd auf die Eltern Madeleines, die kurz nach dem Verschwinden des Kindes einsetzte, als die Medien direkt nach den Versäumnissen der Eltern schaute, die in den medialen Augen skandalös zu sein schienen.

Dann kam der Backlash. Und er war heftig. Wie konnten die McCanns drei kleine Kinder allein in einer Ferienwohnung lassen? Sie saßen zwar nur 50 Meter vom Hauseingang entfernt in einem Restaurant. Sie schauten jede halbe Stunde nach den Kindern. Sagten sie. Aber eine halbe Stunde, das war vielen schon zu lang. Da konnte alles mögliche passieren. Ein Feuer. Ein Unfall. Alles. Dann dieser Medienrummel. Für wen hielten sie sich?

Wie kann man sich - und ich spreche als Vater - bei diesen Auswüchsen noch guten Gewissens auf selbständiges Aufwachsen seiner Kinder konzentrieren? Natürlich ist man selber hin- und hergerissen, verunsichert durch die allgegenwärtige (vermeintlich?) immanente Bedrohung des eigenen Nachwuches.

Bei F!XMBR, wo ich auf den Artikel in der SZ aufmerksam geworden bin sagt Chris:

Die Gesellschaft ist geschädigt, jegliches Vertrauen ist zerstört worden, Solidarität ist für die meisten ein Fremdwort, Lehrer nehmen Kinder zum Trost nicht in den Arm - der Missbrauchsverdacht ist allgegenwärtig. Und wenn man die Leute darauf hinweist, dass es nicht viel mehr Entführungs- und Missbrauchsfälle gibt, wie früher - dass halt nur die Medien völlig durchdrehen, dann wird einem vorgeworfen, man ist selber nicht Vater und kann es nicht verstehen.

Vielleicht sollten wir alle einen Schritt zurücktreten und versuchen, trotz eigener Ängste, eine soziale Zukunft für unsere Kinder aufzubauen. Obwohl es vermutlich dafür schon zu spät ist.

Quelle: Big Mother is watching you, SZ 15.06.07


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